Wunschkind



literatur und trauma
skizzen einer k-ptbs

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Ich bin keine Fachperson, sonder hoffe hier einen kleinen Echoraum für Erlebtes, Geschriebenes und Gedanken zu Gelesenem zu schaffen.

keine KI, keine Kopien nur Kopf. Yours, Yarrow.

wütend über drei dinge.


do do do you believe in life after love? you believe in life after love? ♫♪♩
Brate Alnatura demeter Tomaten Burger und höre „das literarische Quartett“, trinke frisch gepressten Karottensaft nach Bewerbungsgespräch im second hand Kindermodeladen und denke, das ist so ein wunderbar inszenierter affektierter Hipster-Quatsch dieses Leben, darauf am besten noch einen zynischen Blogbeitrag schreiben. Dann ist das Bild komplett.

Hier gibt es gerade ein Kampagne zur Aufklärung über häusliche Gewalt.
Viele grosse Plakate in Wandtafel-optik fragen in roter Kinderschrift: „Wo lerne ich, dass ich mich wehren darf?“
Ich fahr drei mal, vier mal, noch mal vorbei und denke „gut, dass man hinschaut, gut, dass hier Geld in die Hand genommen und etwas versucht wurde“.
Dann machts mich wütend.
Wieso fragt man nicht „Wo lernt mein Papa, dass er mir nicht die Nase brechen darf?“ oder „Wo lernt meine Mama, dass wegschauen, mitmachen ist?“ „Wo lernt meine Nachbarin, dass sie die Polizei rufen muss?“ „Wo lernt meine Lehrerin, welche blauen Flecken immer ein Warnsignal sind?“ „Wo lernen alte Familienfreunde, dass wegschauen Täter schützt?“ und „Wo lernen eigentlich endlich mal alle, dass hinter jedem Einzelfall ein System und Muster ist, dass wir schon lange kennen und erkennen könnten?“

Weil, dass ich mich wehren muss, und wie, das ist wirklich der absolut letzte Schritt. Wichtig alle mal! Aber der letzte Schritt.

Cher fragt ob ich an ein Leben nach der Liebe glaube und ich hüpf zum Kühlschrank ♩ um die Orangen zu fragen, was sie meinen. „Gibts ein Leben nach Liebe? Seid ihr schon kalt? Darf ich euch pressen?“

Vor drei Tagen stirbt in meiner Stadt eine Frau. Ein Femizid. Direkt hier und auch schon der dritte in der Schweiz dieses Jahr.
Weltweit stirbt all 10min eine Frau oder ein Mädchen durch die Hand ihres Partners oder ihrer Familie. Das weiss ich.
Das kann man aber so schlecht fassen.
Wieder einmal graust mich die Psychologie an. Es gibt eine Construal Level Theorie die erklärt, dass und auch warum uns Dinge emotional mehr betreffen wenn sie in der Nähe geschehen.
Auch mit Erklärung gruselts mich. Wie soll je Veränderung entstehen wenn mich nur bewegt was in meiner eigenen Bubble passiert?
Das macht mich wütend.
think global – act local und so aber ist das nicht auch ein wenig eine Ausrede eben überhaupt nicht zu „acten“, bei all den global Problemen?

Jeder Mensch hat eine Haustür für die Angst. Meine ist hellblau gestrichen. Durch jede Ritze, jede Spalte kriecht Gefahr. Männer töten Frauen, Männer schlagen Frauen, Männer beschimpfen Frauen, Männer drohen Frauen, Männer belächeln Frauen, viele Männer hassen Frauen.
Das kriecht durch jeden undichten Rand der Tür.
Und ich bin ehrlich überfragt damit, wie viel Angst vor Männern mir angeprügelt wurde, und wie viel nun einfach, in Anbetracht der Fakten nur zu gut gerechtfertigt ist. (und wie spielt hier lesbisch sein eine Rolle? was wenn das auch nur eine Reaktion auf Trauma ist… hör mir auf)

„Ruf mich an, wenn du es herausgefunden hast“ sag ich einer entfernten Freundin im Zug, nachdem sie mich auf mein Buch anspricht (Pornography – Andrea Dworkin) und sie grinst. Sie mag Männer, meint sie. Dass einzelne mal ausarten, das gäbe es bei Frauen eben auch. „Verrückte gibts überall“ und dass ihr die meisten Feministinnen einfach mit zu viel Wut an die Sache gehen würden. 😀

Sie steigt aus.

Ich wäre immer, immer lieber eine wütende Frau als eine geschlagene Frau, eine missbrauchte Frau. 
Ich wäre lieber bitter, wütend, schamlos, unhöflich, rau, unattraktiv und laut, als (wieder) eine Frau zu sein, die Missbrauch erleidet.
Ich wäre lieber eine Frau mit standfesten Meinungen, die sich nie, nie den Mund verbieten lässt, als eine Frau, die mit ihren Unterdrückern süsse politeness politics Spiele spielt.

Wenn Frauen sagen, dass radikale Feministinnen zu wütend sind, dann liegt das daran, dass sie das Bedürfnis haben, lieb, gut, appealing, zu Ihren Unterdrückern zu sein, um von ihnen ausgewählt und gepampert zu werden.

Ich habe kein Verlangen danach, von meinen Unterdrückern ausgewählt, bestätigt und gesehen zu werden. Ich möchte meinen Unterdrückern gleichgestellt sein.
Ich möchte, dass die Unterdrückung von Frauen vollständig aufhört!

Wenn Frauen es nicht als ihr Ziel sehen, die Stimmen anderer Frauen zu unterstützen, dann werden sie ein Problem mit dem Mut von Frauen haben, die es wagen, wütend zu sein, die es wagen, mutig zu sein, die es gewagt haben, mutig genug zu sein, um zurück zu schlagen. 

Frauen, die sich ständig darüber beschweren, dass radikale Feministinnen zu extrem wären, Männerhasserinnen wären, sind die Frauen, die die Struktur des Missbrauchs für das Patriarchat aufrechterhalten.

Ihr seid diejenigen, die das Patriarchat am Leben erhalten, denn in Wahrheit kann das Patriarchat ohne Frauen wie euch, die die Wut von Frauen wie mir zum Schweigen bringen oder dämonisieren wollen, nicht existieren. Ihr tragt das mit, auf eueren Schultern. 
Frauen wie ihr, die radikal feministische Leidenschaft als destruktiv ansehen, die sich nicht mit Frauen verbünden. Frauen, die es Wort wörtlich vorziehen sich Männern zu unterwerfen, auch ihr habt uns geschlagen. Der blaue Fleck ist bis heute noch da und ich hab eigentlich auch keine Lust mehr, ihn für euch zu überschminken. Echt.

(Holla, Hasstirade, hätte mans so ins cheese-ige ziehen müssen gegen Ende? Vielleicht nicht. Aber gerechtfertigt, ich meins so.)

Ich buch also einen Termin, tätowier mir ein Einhorn und halt erstmal den fiesen Schnabel.
Ich wünsch euch was, vielleicht steckt die Wut an, dann hilft Bananenbrot Cupcakes baken, wie ich jetzt.
Grüsse in den Februar hinein. xoxo

hi, schreib doch gerne hier einen kommentar <3