Wunschkind



literatur und trauma
skizzen einer k-ptbs

𓆝 𓆞 𓆟 𓆝 𓆞 𓆟
Ich bin keine Fachperson, sonder hoffe hier einen kleinen Echoraum für Erlebtes, Geschriebenes und Gedanken zu Gelesenem zu schaffen.

was gerade so brummt:


Huch, wo ist der Juli hin?
und der halbe August?

Jetzt habe ich eine neue Tastatur und jetzt klappert es ganz besonders schön beim tippen. Klick klack klick.
Das motiviert natürlich ungemein, nach einiger Zeit einmal zu teilen, wie der Sommer so summt.

Nietzsche schreibt in Menschliches, Allzumenschliches, seinem Buch für freie Geister:
„Wir sind so gern in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat.“
und ich nehme dies an als Erklärung wo der Juli und auch die erste Augusthälfte steckt, irgendwo zwischen Wald und Wiesen und Buchseiten.

Also, wichtiges diesen Sommer:

1. Ethel Cain hat ein neues Album veröffentlich, ich seh mich nicht in der Lage es treffend zu beschreiben.
Rolling Stones Magazin schreibt:
„It’s easy to get lost in the haze — to wander down the echoing corridors of lyrics and synths and strings. Still, Willoughby lacks the dynamism of its predecessor, the ecstatic neon highs and chilly basement lows. That makes sense, of course, in that this is the story of a first love, a small town, quieter horrors. Seen as a whole, though, that quietness can sometimes verge on monotony, songs running into the next with little to grab onto — like an evaporating phantom.“
Trotzdem hörenswert, aber vielleicht in einer leichten Umgebung, sonnige Terrasse + Wasserglas mit ein wenig Minze.
Ich habe ein Ticket für ihr Konzert im Herbst und bin recht gespannt wie sie dieses stark instrumentalisierte, atmosphärische Album in einem Konzert auf die Bühne bringen will.

2. Menschen in meinem Umfeld haben gerne ein Projekt. Diesen Sommer war es den Keller zu sortieren. Das ist keine physisch anstrengende Arbeit, aber sie braucht trotzdem eine riesen Menge Kraft.
Schliesslich weiss ich nie was in der nächsten Fototasche von Foto Erhardt steckt, meine Mutter mit 20 in London, meine Brüder in viel zu grossen Anzügen zu ihrer Erstkommunion, ich beim Stockbrot braten mit meinem Vater.
Wir kaufen säurefreie Fotokisten, sortieren, nummerieren, beschriften und verstauen alles.
Eigentlich dürfen keine zwei Fotos direkt aufeinander liegen weil sie ansonsten irgendwie auf chemischer-ph-Wert-Säure-Basen-Ebene mit einander reagieren und dann vielleicht meinen Enkel*innen nicht mehr erhalten wären.
Ich freu mich über die Metapher, dass all diese Fotos mit einander reagieren und keins vom anderen getrennt betrachtet werden kann.

Sogar im Karton bilden sie eine Symbiose, verschwimmen in einander und färben ab.

3. Mein Welpe ist eingezogen :0

4. Ich hab einen Cowboy getroffen (und (sehr) gut gefunden) und meine Füsse stecken gerade unter dem Tisch in einem Bad aus Kamillentee und Eiswürfeln da meine eigenen Cowboystiefel mir eigentlich gar nicht passen und meine Füsse nun völlig geschunden sind. Worth it für Dates mit Cowboy Butch Lesben, mein fucking roman empire echt. Lord have mercy.

Wo wir schon bei Butch Lesben sind: ja es war auch noch Fussball EM. Ja ich hab irgendwann doch zugeschaut obwohl ich ein halbes Jahr lang gepredigt habe dass mich Fussball auch wenn Frauen spielen trotzdem nicht interessiert…

5. Ich habe ziemlich oft „nein“ gesagt.
Ich brauche gerade viel Zeit und hatte eigentlich einige Dinge vor diesen Sommer, ein Zeltlager mit leiten, Urlaub, Arbeiten…
Ich musste leider vieles davon absagen und ziemlich klar und ernsthaft Prioritäten setzen. Die war für mich 100% dass es möglich ist, dass mein Hund bei mir einzieht, deshalb war nun im Endeffekt nur das möglich.
Manchmal hat man wenig Kapazitäten und wenig Energie und dann ist es wichtig, sich selbst das auch klar einzugestehen. Ehrlich mit sich selbst zu sein darüber, was gerade möglich ist.
Damit man nicht auf Kosten andere versucht zu funktionieren.

Kleiner Schnippischer Hot-Take zum Schluss:
Ich bin nicht der grösste Fan von dieser obsession die viele Menschen auf social media, in Büchern aber auf in meinem Umfeld mit dem „nein-sagen“ haben. Es wird so oft als „ach ich arme muss es immer allen recht machen und schaffe es einfach nicht nein zu sagen“ dargestellt, wobei ich ehrlichgesagt meistens finde, dass ziemlich viele self proclamed people pleaser ziemlich egoistische Menschen sind, die es mit ihrem „nicht entscheiden“ allen ziemlich schwer machen.

Aber wer bin ich, ich sage auch immer „entscheid du, mir ists egal“ wenn man mich fragt was ich essen will. Dabei ists fast immer Brot mit Käse…

Die Tastatur klappert wirklich hervorragend.
Machts gut, trinkt genug und sagt einmal ganz bewusst „ja“


hi, schreib doch gerne hier einen kommentar <3