Wunschkind



literatur und trauma
skizzen einer k-ptbs

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Ich bin keine Fachperson, sonder hoffe hier einen kleinen Echoraum für Erlebtes, Geschriebenes und Gedanken zu Gelesenem zu schaffen.

keine KI, keine Kopien nur Kopf. Yours, Yarrow.

mehr solidarität und eine menschenkette bitte


Ich denke eines der grössten Learnings des vergangen halben Jahres ist, dass man eigentlich nie mit irgendwas alleine ist. Da sind immer ganz, ganz viele die mitdenken, mitleiden, mittragen und mitfühlen können. Manche aus eigener Erfahrung, andere aus Freundschaft.

Es kann gut tun sich dann auszutauschen. Dafür schreibe ich zum einen hier, bin aber auch aktiv in verschiedenen Foren wie zum Beispiel dem schon 20 Jahre alten Forum https://www.myptsd.com

Dort lese ich letzte Woche über etwas woran ich hängen bleibe.
Borderline (Fehl)Diagnosen
Als ich mit 13 für einige Monate eine Art „Kriesenintervention“ in Form einer kurzen Therpie machte wurde mir ebenfalls gesagt, dass man doch die Augen auf halten sollte und dann einmal, wenn ich etwas älter bin, man bestimmt Borderline diagnostizieren könnte.
Nur, weil ich selbstverletzendes Verhalten zeigte.
Man könnte meinen wir wären etwas weiter als die emotionale instabile Persönlichkeitsstörung nur darauf zu reduzieren…

Diese Aussage blieb mir damals ganz lange, ehrlich gesagt war ich überzeugt, bis ich nun vor einem halben Jahr eine andere Diagnose bekam. Ich hatte das Gefühl, es wäre schon gesetzt. Informierte mich, las und begegnete Unglaublich viel Stigma, Missinformationen und vor allem schürte es ganz ganz viel Selbstzweifel.

Ich finde nun also andere Betroffene welchen es gleich ging.
Eine solche Diagnose kann richtig treffen.

Wichtig: Ich bin keineswegs gut informiert über die Unterschiede von k-PTBS und Borderline, auch nicht darüber ob und wie sie miteinander auftreten können oder darüber wie schwer es vielleicht wirklich sein kann sie auseinander zu halten. Mir ist bewusst, das auch die emotionale instabile Persönlichkeitsstörung eine Reaktion auf Trauma ist.
Über all dies möchte ich überhaupt nicht sprechen oder Behauptungen aufstellen.

Aber trotzdem möchte ich sagen, wie schwer es treffen kann aberkannt zu bekommen, dass deine Schmerzen und dein Verhalten von aussen kommt, und nicht von innen. Und wie schwierig es gerade für Personen mit k-PTBS sein kann, welche sowieso schon so sehr von Scham und Selbstzweifel belastet sind, zu glauben, sie sein falsch, und nicht diese (zu ihnen) oft so schrecklich gewesene Welt.

Wieder wichtig: Das Problem hier ist nicht die Diagnose Borderline sondern das meist direkt mitdiagnostizierte Stigma, das vorgefertigte Bild und die damit einhergehende Verurteilung.
Und genau hier glaube ich braucht es auch unter Betroffenen mehr awareness um genau mit diesen Vorurteilen auch ein Stück weit aufzuräumen.

„Nie wieder date ich jemanden mit Borderline-Persönlichkeitsstörung“ liest man an jeder zweiten Ecke im Internet. Solche Sätze stehen wortwörtlich in Kommentarspalten, auf Memeseiten und in Datingforen. Es gibt ganze Threads, in denen Menschen Erfahrungen mit „Borderlinern“ austauschen, als handle es sich um eine homogene, gefährliche Gruppe. Aussagen wie „Borderliner manipulieren nur“, „die sind alle toxisch“ oder „lauf so schnell du kannst“ kursieren massenhaft.

Das ist bemerkenswert, weil man solche Pauschalurteile über andere Diagnosen kaum findet niemand schreibt „warum ich nie wieder eine Person mit Posttraumatische Belastungsstörung in meinem Freundeskreis haben will“, „meide unbedingt alle Menschen mit Depression“ oder „Allen Menschen mit Zwangsstörungen sollte man echt aus dem Weg gehen“. Obwohl auch diese Erkrankungen das Verhalten, Denken und Fühlen massiv beeinflussen können, wird Betroffenen in der Regel zumindest zugestanden, dass sie unter etwas leiden, das nicht ihre Schuld ist.

Bei Borderline-Persönlichkeitsstörung dagegen wird häufig nicht über erlebtes Leid gesprochen, sondern über angebliche Charakterdefizite. Die Diagnose wird zu einem Schimpfwort, einem Etikett, das sofort Eigenschaften wie Manipulation, Gewalt, Labilität oder Unberechenbarkeit mitschwingen lässt.
Welche natürlich zweifelsohne Symptome sein können, dont get me wrong.
Aber alles in allem ist Personen drauf zu reduzieren nicht nur fachlich unhaltbar, sondern auch gefährlich. Es hält Menschen davon ab, Hilfe zu suchen oder offen über ihre Symptome zu sprechen. Und es blendet aus, dass auch diese Störung oft auf chronische Traumatisierung zurückgeht.

Genau hier, finde ich, braucht es Solidarität zwischen Betroffenen.
Nicht im Sinne von „wir sind alle gleich“, sondern im Sinne von: Wer selbst psychische Belastung erlebt, weiss, wie schnell man auf „zu viel“ reduziert wird. Und genau deshalb sollten wir uns nicht an der Stigmatisierung anderer beteiligen, nur weil das Stigma gerade nicht uns trifft.

Und dass das by the way auch in sicherem Rahmen (!!! mega mega big Ausrufezeichen hier) für Betroffene von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung usw gilt ist klar. Auch hier kann man Verständnis haben und achtsam sein, auch wenns noch weniger der Mainstream Meinung entspricht.
Your allyship is worth nothing, if you are never uncomfortable.

Iregendwo hab ich letztens gelesen:
„being an ally is so frightening that hardly anybody dares.“

da schlägt doch mein antifa-Herz gleich mit.
Demfall heute solidarische Grüsse.

Eine Antwort zu „mehr solidarität und eine menschenkette bitte”.

  1. Da sprichst Du etwas sehr wichtiges an. Das Stigma, das „Borderlinern“ anhängt, ist wahnsinnig destruktiv für Betroffene, die sowieso oftmals schon ein gestörtes Selbstbild haben und unter Selbsthass leiden. Wenn ihr Verhalten lediglich auf einen „schlechten Charakter“ basieren würde, würden viele es dankbar ablegen. Aber sie können es nicht ohne weiteres.

    Aber das gilt auch grundsätzlich für die Stigmatisierung psychischer Krankheiten. Während man z.B. für chronische physische Krankheiten nicht verurteilt wird.

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